GAZ / WZ  vom 10.12.2005

Filesharing

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Tauschgeschäfte sind schon immer gemacht worden, ehemals mit Kartenspielen, Plastikfiguren und allerhand mehr. Hier wechselten reelle Dinge den Besitzer von Hand zu Hand.
Ein neues modernes Tauschgeschäft, das eigentlich keines ist wird aber vornehmlich im Kinderzimmer oder sogar auf dem Schulhof vorgenommen.

Gemeint ist hiermit der Tausch von Musik-CD's, Spielen und auch Videos
die sich über bestimmte Tauschbörsen aus dem Internet laden lassen.
Der in diesem Zusammenhang stehende Begriff Filesharing bringt die Sache auf den Punkt.
Mehrere Benutzer teilen sich gleichzeitig etwas, was erst im Zeitalter  schneller DSL-Verbindungen und entsprechender Mittel möglich war. Diese Tauschbörsen werden unter dem Namen P2P (Peer to Peer) zusammengefasst
und beruhen auf der Tatsache Daten von einem Punkt (Peer) zu einem anderen zu übertagen. Spezielle Software dazu gibt es genügend und frei erhältlich.
Der wohl bekannteste Vertreter ist sicher Kazaa oder Emule, weniger bekannt und schon aus dem Rennen geworfen ist WinMX. Ziel dieser P2P-Netze ist es, eben Videos sowie Musik und Spiele untereinander zu tauschen.
Wer sich etwas aus solchen Netzen lädt, bietet auch gleichzeitig etwas an, so lautet das Konzept. Die Nutzer dieser Netze wähnten sich sehr sicher, weil die Daten verteilt sind und bisher nicht recht verfolgt werden konnten. 
Das Märchen der nicht verfolgbaren Adresse, der IP des DSL-Anschlusses und die nur über die P2P-Software erreichbaren Angebote galten lange als sicher.

Videos, Musik und Spiele sind meist mit einem Schutz versehen, der kopieren verhindern soll. Der Gesetzgeber hat das Überwinden eines solchen Schutzes als strafbare Handlung eingestuft und Software die das ermöglicht vom Markt verbannt, sprich verboten. Die Herstellung einer Kopie ist also schon illegal, die Verbreitung dieser natürlich auch.
Hersteller erfinden immer neue Schutzmechanismen um die Verbreitung ihrer Musik-CD's oder Videos durch einfache Kopieraktionen zu verhindern. Wie der Fall Sony BMG kürzlich aufzeigte wird dabei auch mal einen Schritt zu weit gegangen.
Meist wissen die Eltern nicht, was auf dem Computer im Zimmer nebenan läuft
und wundern sich eventuell über die Kenntnis der Jugendlichen von Filmen, die 
sicher nicht im Kino gesehen wurden, noch aus der Videothek ausgeliehen wurden.
Erst kürzlich wurden etliche Nutzer solcher Tauschbörsen mit unangenehmen Besuchen überrascht wie diese Meldung von Heise  aufzeigt.
In diesem Fall war es ein Spiel, das sich über obige Netze verbreitet hat.
Nehmen andere Rechteinhaber diese gebotene Möglichkeit auf für Musik und Video, dann werden schnell weitere Hausdurchsuchungen fällig.

Eltern sind also gut beraten, kümmern sie sich etwas um die Geschehnisse im Zimmer nebenan. Schulen mit entprechenden Unterrichtsfächern könnten hier ebenfalls präventiv einwirken.

Michael Bormann