Die hartnäckigen Unwahrheiten

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Tuning Tipps und Mythen die nicht mehr funktionieren und andere Unwahrheiten.
Nicht wenige Hinweise und Tipps kursieren, die vor längerer Zeit einmal funktionierten, aber
bei den wesentlich neueren Systemen mit W2K oder XP und natürlich auch W2K3 keine,
bzw. nicht mehr die erhoffte Wirkung erzielen.

Neben den Tuning und Mythen Tipps die hier von M.H. Fischer aufgearbeitet worden sind
Schnelleres Booten
Speicher Tuning 
Festplatten Tuning 
PC Booster -eigene  Rezension 
gibt es noch weitere Aussagen und sogenannte erste Hilfen, die einfach nichts mehr bringen.
Dazu gehört sicher auch der Hinweis auf "zugemüllte" Festplatten, die angeblich vom Prefetcher
verursacht worden sind, auch ein Märchen dessen Auflösung sich die Seite Helmrohr angenommen hat.

Als häufig genannte Anfrage nach dem SecondLevelDataCache der Wunder bewirken soll, taucht 
ebenso oft bei Problemen mit dem Herunterfahren von XP der Tipp mit dem PowerDownAfterShutdown auf.
Diese oder ähnliche Hinweise tauchen immer wieder auf.


SecondLevelDataCache

Immer wieder wird auch mit neuerem Datum das Märchen verbreitet,
durch Erhöhung des Wertes SecondLevelDataCache siehe Wintotal 
die Performance von Windows 2000 oder XP erhöhen zu können.

Microsoft schreibt allerdings im Technet dazu:

Zitat:
The second level (L2) cache is recognized by the operating system and is fully utilized regardless of the setting of this parameter.

Zitat Ende.
Da das Technet dies nicht in Deutsch anbietet:
Der L2 Cache wird vom Betriebssystem erkannt und unabhängig von dem gesetzten Parameter voll unterstützt.

Damit dürfte feststehen, es passiert nicht der gewünschte Performanceschub, eine sinnlose Maßnahme also.



PowerDownAfterShutdown

Sie können Windows jetzt ausschalten.

Ein ebenfalls beliebter Punkt um ein NT-System zum Abschalten zu bewegen,
der gerne als erste Aktion bei betroffenen Systemen genannt wird.
Leider ist dieser Eintrag in der Registry ebenfalls ein Überbleibsel aus
vergangenen Tagen, die an den heutigen Systemen nichts mehr bewirken.
Auch wenn dieser Schlüssel in Windows 2000, XP und Windows 2003 zu finden ist,
die Änderung auf den Wert "1" ändert absolut nichts an den Ausschaltfähigkeiten,
ist die verbaute Hardware nicht dazu in der Lage.
NT4 mit der entsprechenden HAL.DLL (Softex) reagiert auf den Wert.
Ein Windows 2000 hingegen wird bei ungeeigneter Hardware das System
immer wieder neu starten, statt es abzuschalten.  XP hingegen ignoriert diesen Schlüssel völlig.
Einzig die hier beschriebenen Lösungen führt zum Erfolg. (Link)

Computerbase hat dies auch in einigen Tests unabhängig festgestellt.



Windows kann ohne externen Bootmanager nicht von einer
zweiten Festplatte starten.

Auch eine waghalsige Aussage, die erst kürzlich in einem ansonsten glaubwürdigem Magazin
"Windows IT Pro - 04/2006 Seite 45" gemacht wurde.
Man hat hier wohl noch das ältere Windows 9.x im Hinterkopf bei dieser Aussage gehabt.

Tatsache ist:
Eine primäre und aktive Festplatte ist notwendig, auf der sich der NT-eigene
Bootloader installiert. Hiervon kann ohne weitere Probleme ein W2K, XP oder W2K3
welches sich auf einer erweiterten Partition auf einer zweiten Festplatte, auch an
einem weiteren Controller (SATA) befindet, gestartet werden. Auch von einer eigens mit Boardmitteln
präparierten schlichten Diskette ist dieses Kunststück keine Zauberei.
Lediglich angepasste Einträge für den ARC-Loader in der Boot.ini erstellt
und das Wundersame passiert trotz obigem Artikel.
Weitere Hinweise zum NT-Loader sind hier und hier  sowie im 
So wird's gemacht
  zu finden.
Eine entsprechende Boot.ini kann so aussehen, um von einer zweiten Festplatte
ein beliebiges System der NT-Reihe zu starten:

[boot loader]
timeout=3
default=multi(0)disk(0)rdisk(0)partition(1)\WINNT
[operating systems]
multi(0)disk(0)rdisk(0)partition(1)\WINNT="Microsoft Windows 2000 Professional" /fastdetect
multi(0)disk(0)rdisk(1)partition(1)\WINDOWS="Windows XP Pro" /fastdetect
multi(0)disk(0)rdisk(1)partition(2)\WINDOWS="W2K3 Server" /fastdetect
C:\cmdcons\bootsect.dat="W2K Revovery" /cmdcons


Toller Tipp, würde er denn funktionieren, geht aber nicht so wie beschrieben.
Eine Seite die sich mit Wissen befasst, wartet seit geraumer Zeit mit folgender Weisheit auf:
XP in der Domain ( Pro) bietet den FastuserSwitch an.
Das bedarf keines weiteren Kommentars, völliger Humbug und laut Anleitung schlicht nicht durchführbar.
Solche Seiten sollten mit der nötigen Vorsicht gelesen werden, selbst ausprobieren :-p 


Registry aufräumen?
Kursiert immer wieder durch die Geschichte, bringt aber in den seltensten Fällen einen Vorteil.

Man sollte sich von dem Gedanken befreien, die Registry ist eine sequentielle Datei die Top->Down
gelesen wird wie eine Batchdatei: wird sie nämlich nicht.
Die Registry ist eine Datenbank, in der Einträge gezielt gesucht und gelesen werden, nur auf Anforderung.
Ein Eintrag, der von niemanden angefordert wird, liegt einfach da und macht nichts, weder positiv noch negativ. Wegen der Datenbankstruktur ist es auch völlig egal (beinahe wenigstens), was da steht und wieviel - man halte sich eine SQL-Datenbank vor Augen um das Prinzip zu verstehen. Die von vielen Tools als "Entschlackung" empfohlen sind reine Augenwischerei und weitestgehend dem Zweck gewidmet: Geld zu verdienen mit unnützen Werkzeugen. Schneller wird Windows dadurch nicht eine Millisekunde.
Ein Beispiel: Die Tageszeitung -
Was liest man da: nur das, was einen gerade interessiert und der Rest wird überblättert, nicht einmal halbwegs wahrgenommen. Genauso funktioniert das mit der viel geliebten Registry, was gerade nicht gefragt ist, wird ignoriert.

Ausnahme:
Beispiel Explorer, InternetExplorer weil es sich hier recht gut aufzeigen läßt, oder auch das Netzwerk eignet sich recht gut
Der IE wird gestartet und irgendeine Anwendung oder Erweiterung hat sich hier mit eingeklinkt, möchte nun auch in Abhängigkeit zum IE mit angesprochen oder gefragt werden weil es einen Eintrag dort als Subfunktion hinterlassen hat. Das kann sehr wohl Schadware sein, als auch eine gewünschte Abhängigkeit wie z.B. eine Toolbar und möglicherweise die von Google.

Netzwerk:
Hier wird in Abhängigkeit von Diensten für das Netzwerk z.B. ein Virenscanner mit eingeklinkt, oder auch eine Firewall.
Das ist sinnvoll, aber ärgerlich entfernt sich diese Firewall oder der Virenscanner nicht aus dieser Abhängigkeit, wird er / es / sie deinstalliert. Dann versucht Windows diese fehlende Referenz zu finden, was schon einige Millisekunden - oder in Abhängigkeit der Komplexität auch etwas länger dauern kann. Nur hier wäre es legitim und korrekt, nachzuarbeiten und diese nicht mehr vorhandene Abhängigkeit zu entfernen - NIS / NAV wäre hier ein Kandidat der sich nicht überall aus dem System zurückzieht, wird er deinstalliert - aber auch andere Anwendungen können hier Reste hinterlassen die aber nicht mehr physikalisch vorhanden sind.

Die Zwickmühle der RegistryCleaner besteht darin, diese Abhängigkeiten richtig zu erkennen und - anzubieten zur Entfernung. Die Stolperfalle besteht darin, dass etliche Anwendungen und auch Bugfixes von Microsoft Schlüssel anlegen, die erst zu einem unbestimmten Zeitpunkt - wenn überhaupt- abgefragt werden. Kann das eine Software erfassen?

Nicht wenige Anwender klagen nach derartigen Aktionen über Fehlfunktionen, die sich oft nicht mehr mit Aufräumaktionen in Verbindung bringen lassen. Statt schnellerem Windows ist dann eine langwierige Reparatur oder Fehlersuche, bis hin zur Neuinstallation angesagt.



Wird fortgesetzt.

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