vom 18.10.2007 .

Offizielle Support-Disc im Handel?

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Aktuell am Kiosk erregte ein Heft meine Aufmerksamkeit, weil es mal wieder einen reißerischen und augenfälligen Kasten auf der Titelseite trug. 
Nicht das derartige Titel ungewohnt wären, aber es könnte ja sein.. und sich ein Urteil machen geht einfach nicht ohne gründliches lesen und analysieren des Inhaltes. 

Unsicher und neugierig ob Microsoft diesmal an einer wirklichen Fachzeitschrift vorbei eine CD mit Patches einem Heft beigelegt hat oder eben nicht, entschloss ich mich das Geschreibsel und die CD mal genauer anzuschauen.

Die Kurzform: Aufmachung und Inhalt sind verblüffend ähnlich dem Boulevardblatt mit den dicken fetten Buchstaben. Aber 114 Seiten mal eben im Kiosk-Vorbeiflug neben der CD (eingetütet) aufzunehmen würde wohl Ärger verursachen auch wenn man dort öfters durch Zeitschriften blättert. Also 5,99€ auf den Tisch gelegt und sich zum Studium der Seiten an den Büroplatz begeben.

Aufgefallen ist das Medium schon im Februar im Kiosk, aber wegen des mehr als dürftigen Inhaltes verworfen, das Verhalten kann man auch getrost beibehalten;. aber suchen wir mal Schritt für Schritt nach richtigem Content.

Auffällig ist die zweiseitige Eigenwerbung nach dem Editorial die zu einem Abo nebst einem 8GB USB-Stick und Nero7 Premium verleitet: das hat was weil eben so Dinge in den Markt gedrückt werden, egal wie gut oder weniger gut diese auch sind - Branding eben. Scheint verlockend weil die Give-Aways laut Handelspreis schon das Printmedium im Preis heftig übersteigen - 67,60€ für 12 Ausgaben ohne Porto aber mit Goodies. Für Printmedien gilt bei Anzeigen natürlich die Auflagenstärke die den Anzeigenpreis bestimmt!

Schaut man sich die Redaktion an, so sagt einem dies nichts bis auf eine Person die schon ihre Spuren bei MUT (ehemals Markt&Technik) hinterlassen hat, aber nicht durchschlagend / kompetent wenigstens aus meiner Sicht siehe Rezension hier. Belanglose Statements über den neuen Webauftritt und unwichtiges vervollständigen die ersten 17 Seiten was auch Ansichtssache ist.

Der Titel des Geschreibsels  lautet: ' Windows Vista  Das offizielle Magazin', [Ausgabe 11/2007] also erwartet man geballtes Know-How und hilfreiche Informationen. 
Ein Lichtblick auf Seite 23 - Keine Verbindung und der Tipp 10: richtige Treiber fürs Netzwerk erklärt, "Erkennt Vista ihre Netzwerk- oder WLAN-karte nicht, liegt das meist am Treiber. Besuchen Sie die Hersteller-Seite".
Mhja - ohne Netzwerk nicht so einfach, auch die Reihenfolge scheint logisch falsch zu sein- aber darüber verliert man kein weiteres Wort.

Seite 27 endlich erhellt den Sinn der "Offiziellen Support-Disc" - glaubt man und wird wahrlich enttäuscht. Nicht dass dort die Werkzeuge im völlig falschen Kontext beschrieben werden - wer benötigt einen ->Bootloaderoptimierer-> wenn nichts als Vista auf der Platte werkelt? System sichern führt auch in die Irre: nix wird gesichert aber Programme in sicherer Umgebung ausgeführt. Die Gemeinde ist sich völlig einig: eine aufgepfropfte Firewall war schon in XP reichlicher Schwachsinn, unter Vista noch weniger Wert und eher hinderlich wie viele Anrufe mit Problemen im Bereich Internet und Emails zeigen - benötigt man so dringend wie ........... nämlich gar nicht.
Hilfreich hingegen die 4 Seiten Erklärung für MS Outlook 2007, leider mehr als 50% mit großen Bildern versehen, auch der Text ist mit 2 Dioptrien noch ohne Brille prächtig lesbar!
So geht es in dem Blatt weiter, Themen die mit Vista auch nicht annähernd etwas zu tun haben und schon zu Zeiten von XP (es lebt immer noch) zur Genüge durchgekaut wurden, sogar der Ernährung für Spieler wird eine Seite gewidmet - gut zu Wissen?
Scheinbar gibt es einen Autor der mit IT etwas mehr Erfahrung hat und dessen Aussagen sich mit der Praxis decken: "Windows Home Server" auf den Seiten 56 bis 59 - das war dann im groben der Gehalt des Blättchens. Weil sich auf Seite 63 ein logischer Fehler bei der Nutzung von msconfig befindet das in meiner Vista_FAQ angeprangert wurde, kann man dem Blatt nicht die Kompetenz bescheinigen, die der großspurige Titel impliziert.
Nach vielem Ballast der gar nicht Vista spezifisch ist, schieben wir die beigelegte CD in das Laufwerk und unterdrücken den erwarteten Autostart nicht.

 

Entgegen dem Titelblatt  offenbart sich hier die Wahrheit- unlautere Werbung und Irreführung. Leider erst nach einschieben der CD zu sehen - nix offiziell und von Microsoft wie der Titeltext (auch der Artikel) suggerierte, ganz im Gegenteil!

Aha, die nötige Vorsicht wurde gewahrt - aber es kommt noch mehr.

Holla die Waldfee - ein fremdes und nicht offizielles Updatepaket wird angeboten? Das hat schon bei etlichen Benutzern Freude verursacht und sollte nun wirklich nicht  - wofür gibt es das WindowsUpdate das auch völlig automatisch funktioniert- benutzt werden. Zusätzliche Updates werden von Microsoft natürlich nicht einfach so veröffentlicht, oder als optional deklariert. Das aber findet man leicht im Internet heraus und muss dafür nicht reichlich Euros ausgeben.

OK, das reicht nun an zugegeben netten Schlagworten - Microsoft optimiert mit keinem Wort in seiner KB938979 die Speicherauslastung von Vista - wie der Text suggeriert sondern korrigiert Fehler. Die per Taskmanager und anderen Werkzeugen gemessene Auslastung die etliche Benutzer monieren ändert sich nicht: aus gutem Grund! Kopieren der Dateien hingegen geht nach einspielen des Patches subjektiv wirklich schneller.

Weiterhin gibt das Blatt Kaufberatungen ab, die an Ungenauigkeit nicht zu überbieten sind - welchen Eingang ein Monitor hat und wie schnell der nun wirklich ist verschweigt man oft- aus welchen Gründen auch immer; dito bei Laserdruckern weil auch hier wichtige Details (GDI oder nicht, sowie Speicher) und die komische Beurteilung zu "nicht kaufen" einen hier nicht wirklich weiterbringt.

Zusammenfassung: max. 20 Seiten die mit Vista in Verbindung stehen (von 114) und somit - neben der Deklaration absolut nicht empfehlenswert - einfach zuwenig relevanter Inhalt der auch die nötige technische Tiefe nicht bringt.

Scheint einfach nur ein verkleinertes Format zu sein mit identischem Layout der hier bekannten Zeitschrift mit fetten Buchstaben im Computerbereich. Das hier monierte Gegenstück stammt vom Verlag Computec und residiert unter der Webseite "www.windowsvistamagazin.de".  Derzeit taucht dort sogar eine Werbung auf, die von einem "Intel Centrino Duo Prozessor" erzählt. Allein dieses Teil gibt es auf der Intel Roadmap nicht und wird es auch nicht geben: man wirft hier Chipsatz und Prozessor mal einfach in einen Topf und generiert ein neues Buzzword. 

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Michael Bormann